Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft „Sanguis et Aurum“ nahmen Mitglieder der Osterländischen Einung an der Belebung der Burg Zwernitz / Sanspareil (Franken) teil. Diesmal erstreckte sich der zeitliche Rahmen der Veranstaltung vom Anfang des 13.Jhdt bis zum ausgehenden Mittelalter.

 

Gemeinsam mit befreundeten Einzeldarstellern und Gruppen gelang der Arbeitsgemeinschaft ein stimmiges Bild in den Räumen der Burg und im Lager.

 

Wir bedanken uns für die Einladung und das freundschaftliche Miteinander!

 

 

 

 

Pressebericht aus „Nordbayerischer Kurier“ vom 21.07.2014 (Autorin Maximiliane Rüggeberg)

 

Besucher reisen auf der Burg Zwernitz ins Mittelalter


Das ganze Wochenende über konnten sich Besucher auf der Burg Zwernitz ein Bild vom Leben im Spätmittelalter (1270 bis 1480) machen. Die Arbeitsgemeinschaft „Sanguis et Aurum“ hauchte der Burg zusammen mit befreundeten Vereinen wieder Leben ein – und zwar so authentisch wie möglich.

„Bei uns wird aufs Detail wertgelegt“, sagt Günter Schwarzott, Verwalter der Burg. Die Besucher sollen vor allem etwas lernen. Der Geruch von Rauch zieht von der Burg Zwernitz die Straße herab. Wer seiner Nase folgt, trifft gleich hinter dem Torbogen auf Tanja Ratmann. Die Julisonne brennt auf ihre Schultern herab, als sie gerade mit einem Holzlöffel im Sudkessel rührt. „Ich färbe hier Stoffe mit Krappwurzel“, sagt sie und zieht ein dampfendes Tuch aus dem Kessel. Es ist bereits leuchtend orange. Noch ein paar Stunden im Sud – dann ist das Stück Stoff blutrot gefärbt.

Die Prozedur sieht nicht nur altertümlich aus, sie ist es auch. Die Besucher sollen sehen können, wie das Leben im Spätmittelalter wirklich war.

Deshalb geht die Apothekerin, die an ihrem Stand die Wirkung von Heilkräutern erklärt, auch im echten Leben diesem Beruf nach. Genauso wie der Goldschmied. Verkaufsstände gibt es keine. Von Mittelalter-Festivals mit Event-Charakter will man sich bewusst distanzieren, sagt Günther Schwarzott. Historisch korrekt seien diese Veranstaltungen in den wenigsten Fällen, sagt Schwarzott. „Denn da geht es vor allem um Konsum.“

Genau deshalb hat sich Albert Döpp aus Scheßlitz an diesem Sonntag entschieden, mit seinen Enkeln zur Burg Zwernitz zu fahren. Dort will ihm niemand etwas andrehen, seine Enkel können in Ruhe etwas über das Leben in längst vergangenen Zeiten lernen. „Mittelalter- Märkte gibt es auch bei uns“, sagt er, „das hier ist einfach mal etwas anderes.“ Seinen Enkeln scheint es ebenfalls zu gefallen. Christoph (8) findet die Burg-Belebung „echt spannend.“

Interessiert schaut er dem Koch in seinen Topf. „Das wird ein hochherrschaftliches Essen“, sagt Oliver Linsel und rührt den Sud aus Zwiebeln und Hähnchenfleisch um. „Da kommt dann gleich noch Butter und Sahne dazu.“ All diese Zutaten waren im Mittelalter unheimlich teuer. Deshalb waren solche Gericht vor allem dem Adel und reichen Kaufleuten vorbehalten. Als Beilage gab es Reis, der extra aus Italien importiert werden musste. War man im Spätmittelalter ein Bauer, musste man sich mit weniger begnügen. „Da konnte man sich dann überlegen, ob man seinen zehn Jahre alten Ochsen schlachtet“, sagt Linsel, „der war dann natürlich dementsprechend zäh.“

Lieselotte Morgenrot hört den Erzählungen des Kochs aufmerksam zu. „Das hab ich alles gar gewusst“, sagt sie. Mit ihrem Mann lebt sie in der Nähe von Würzburg und ist extra wegen der Burg-Belebung angereist. „Wir wollten uns das Spektakel schon letztes Jahr ansehen“, sagt Morgenrot. „Aber da haben wir den Termin leider verpasst.“ Dieses Mal wollte sie sich die Veranstaltung nicht entgehen lassen…