Bildquelle: Bild (bearbeitet) aus „Das thüringische Osterland: Land zwischen Saale und Pleiße“, Verlagshaus Thüringen, Erfurt 1996

Das Osterland (terra orientalis) erstreckte sich zwischen dem Thüringer Osten, Westsachsen und dem südlichen Sachsen-Anhalt auf einem Teil der 937 entstandenen Sächsischen Ostmark.

Die Herren wechselten oft, es gab Teilungen und Wiedererlangung von Territorien. Die Grenzen verschoben sich bis ins 14.Jahrhundert, bis das Osterland zwischen den festen Städten Leipzig, Eilenburg, Eisenberg, Borna, Gera, Meerane und Torgau seine größte Ausdehnung erreicht hatte.

Im späten Mittelalter verschwand der Begriff „Osterland“… es war in der Mark Meißen aufgegangen. Mit der „Osterländischen Einung“ wollen die in der Region lebenden Gruppenmitglieder an die Tradition des Osterlands erinnern.

 

 

Auszug aus:

Von dem Osterlande, M.Roch (ermittelter Verfasser), 1756

Beyträge zur Historie derer Chur- und Fürstlichen Sächsischen Lande, Gesammelt von M. George Christoph Kreysig

Herausgeber: Verlags-, Werbe- und Philaservice Robert Schmidt, Oschatz

Die alten Nachrichten bis ins 13.Jahrhundert sind in lateinischer Sprache abgefasst, bis dahin wird man also das deutsche Wort „Osterland“ nicht antreffen, sondern es heißt oriens, pars, plaga, provincia orientalis und so weiter, doch ist unleugbar, dass die Deutschen es Osterland genennet…

Der Name Osterland selbst zeuget von einem großen Alter, denn wen er nur vor einigen hundert Jahren aufgekommen wäre, würde er Ostland geschrieben und ausgesprochen worden sein, so aber ist es ein Merkmal, dass der Name in den ältesten Zeiten entstanden, da man die Morgen-Gegend nicht Ost-, sondern Ostre, Aostre, Astre und so ferner genennet. …

Witekind teilet die Sachsen ein in orientalis populos, Angarios und Westphalos. Die ersten bestehen wieder aus drei Völkern, den Ostphalen im Braunschweigischen und Lüneburgischen Landen, den Nordleuten oder Nordmännern im Holsteinischen und den Osterländern oder Osterleuten an der Saale und Elbe bis in die alte Mark. Zuweilen heißen diese drei Arten zusammen die Ostphalen, zuweilen aber werden sie von den Geschichtsschreibern unterschieden. Die Osterländer werden auch Nordthüringer genennet, in dem ihr Land vor Zeiten zu dem thüringischen Königreiche gehöret. Der Name der Nordthüringer ist mit der Zeit verschwunden und das Land ist Ost-Sachsen genennet worden. Die Einwohner dieser Gegend hießen schon im 13.Jahrhundert Osterländer. ... Der Bischoff von Merseburg sagt vom Bischoff in Halberstadt, er wäre Pastor orientalum gewesen. …

Alle wendischen Völker, welche diesseits der Saale und Elbe mit den jetzt erwähnten Osterländern grenzten, hießen orientales, und nachdem diese osterländischen Sachsen die Wenden unter sich gebracht, wurde das neu erworbene Land auch… Osterland genennet. …

Nunmehro soll gezeiget werden, was das Osterland nach dem Markgräflich Meißnischen Canztley-Stylo bedeute. Da ist überhaupt die Regel in acht genommen worden, dass alle Ländereien, welche das markgräfliche Haus, außer der eigentlich so genannten Markgrafschaft Meißen, diesseits der Saale beherrschet, das Osterland genennet worden, was aber diesem hohen Hause nicht gehöret, hat auch diesen Namen nicht empfangen. … Da aber das markgräfliche Haus außer der Markgrafschaft Meißen bald weniger, bald mehr Ländereien besaß, so folget, das auch das Osterland nicht zu allen Zeiten einerlei Umfang gehabt habe. Alle Abwechslungen zu beschreiben, würde allzu weitläufig sein. Ich will zwei Hauptperioden setzen. Die erste geht von dem Jahr 1157 als dem Sterbejahr Markgraf Konrads des Großen an und reicht bis auf das Jahr 1382. Die andere hebet von diesem Jahre an und dauert in gewissem Maße noch jetzo, obgleich der Name Osterland schon vorlängst in der Kanzlei nicht mehr geführet worden. In der ersten Periode ist die Niederlausitz zum Osterland gerechnet worden, da aber dieses Land im 14.Jhdt in fremde Hand kam, ist auch diese Benennung weggefallen. … Das Pleißner Land hat bis in die Mitte des 13.Jahrhunderts dem Kaiser und nicht den meißnischen Markgrafen gehöret, daher hat es nicht zum Osterland können gerechnet werden, nachdem auch das Markgräfliche Haus die Herrschaft darüber erlanget, ist es doch als ein besonderes und von dem Osterlande unterschiedenes Land, solange diese erste Periode währete, angesehen worden. …

Solange die Grafschaft Brehna zum markgräflichen Hause gehöret, ist sie zum Osterlande gezählet worden, als sie aber anno 1290 an die Kurfürsten des askanischen Stammes kam, hat diese Benennung aufgehöret. Anno 1291 ist die Markgrafschaft Landsberg, man weiß nicht wie, fremden Fürsten zu Teil worden, als sie nun anno 1347 wieder zu Meißen kam, ist sie als ein vom Osterlande unterschiedenes Land in dem markgräflichen Titel einige Jahre geführet worden. ... Da sieht man also, dass damals das Osterland bald viel, bald wenig unter sich begriffen, man weiß sogar, dass die Grafschaften Rochlitz und Groitzsch in der Reichs-Cantzley nicht dazu gerechnet worden. Denn anno 1360 belehnte Kaiser Karl IV. die Markgrafen mit dem Osterlande und dem Lande zu Pleißen, den Grafschaften Orlamünde, Rochlitz und Groitzsch. …

Die andere Hauptperiode gehet mit dem Jahre 1382 an. Es waren zu der Zeit viele Herren, welche sich in die Meißnischen Landen teilen sollten. Da sie nun alle einerley Titel führen wollten, und es doch nicht wohl anging, dass ein jeder etwas von den kleineren Landen, welche im Titel geführet wurden, als der Markgrafschaft Landsberg, Grafschaft zu Orlamünde und Herrschaft in Pleißen, erhalten konnte, verglichen sie sich untereinander, alle ihre Länder in 3 Teile zu teilen, in das Meißner Land, Osterland und Thüringen, und in die Titulatur hinfort in der Cantzley danach einzurichten. … Es ist dabei aufs neue die oben angezeigte Regel zum Grunde gesetzt worden, dass die ganze Gegend, welche damals das hohe markgräfliche Haus außer der Markgrafschaft Meißen diesseits der Saale inne gehabt, die Benennung Osterland bekommen. …

Wie weit ist also das Osterland gegangen und welche Ämter sind dazugerechnet worden? … Das Fürstentum Osterland, nämlich Leipzig, Schloss und Stadt, Delitzsch, Schloss und Stadt, Zörbig, Schloss und Stadt, Pegau, Stadt mit dem Kloster darinnen gelegen, Luckau, Stadt, Borna, Schloss und Stadt, Groitzsch, Schloss und Stadt, Altenburg, Schloss und Stadt, Schmölln, Schloss und Stadt, Crimmitzschau, Schloss und Stadt, Werdau, Schloss und Stadt, Ronneburg, Schloss und Stadt, Die Bischöfe Meißen, Merseburg, Naumburg, alle Äbte mit ihren Stiften, Schlössern, Städten. Hier werden zwar nicht alle osterländischen Städte erwähnet, doch findet man diejenigen alle genennet, welche uns die Grenzen zwischen Meißen und dem Osterland weisen können. Die Ämter Rochlitz, Colditz, Grimma, Naunhof, Wurzen und Eilenburg werden in dieser Urkunde zum Fürstentum Meißen gerechnet. Daraus folget, dass das Osterland von der Saale her nicht ganz bis an die Mulde gereichet, sondern es ist ein Strich an dem westlichen Ufer der Mulde, ungefähr eine halbe Meile breit, noch zu dem Meißner Land gezählet worden.

 

 

Auszug aus der handschriftlichen „Chronik der Stadt Weißenfels und der angrenzenden Länder“ (ca. 1700).

 

Da sich aber einer nach der alten Thüringischen Land=Karte … sich richten wolte, käme unser Weißenfels in das Thüringer=Land.

So wird doch ie und allewege biß auf den heutigen Tag von der Hohen Landes=Obrigkeit das Ampt, Schloß und Stadt Weissenfelß nicht zum Leipziger Kreise gerechnet, sondern im Thüringischen Kreise mit begriffen und eingeschlossen.

Und sitzen die Weissenfelser in allen Land=Tägen unter den Thüringischen Städten, müssen auch ihre Steuern zu der Ober=Einnahme gen Langensaltze schicken. Ob aber gleich Weissenfelß seine Steuern auf Langensaltza schicket, so folget doch nicht, daß es in Thüringen gelegen sey. ...

Eigentlich nun von der Lage dieser F. S. Residentz und Stadt zu handeln, so gehöret sie in das Osterland, welches, ob es so viel als heiße Osten=Land, oder Eoster=Land, von der heidnischen Göttin Eostre heiße, …. nicht ausmachet.

Petrus Albinus unterrichtet uns mit guten Grunde, daß der Nahme Osterland oder Ostland à Situ, das ist, von dem Lager oder Gelegenheit des Landes herkommen, weil es terra orientalis ist respectu Thuringo rum, nehmlich deßwegen, daß es den Thüringern gegen Auffgang gelegen ist, dannenher, nach etlicher Meinung, die Einwohner für Ost=Thüringer, und nicht für Meißner gehalten werden. …

Sintemahl Weissenfelß ausdrücklich von bewährten Autoribus in das Osterland gesetzet wird., wenn sie darinnen, nemlich im Osterlande diese Graff= Herrschafften zehlen als: Plauen, Weida, Gera, Schwanfeld oder Zwickau, Gräitz, Eisenberg, Weissenfelß, Gröitzsch, Altenburg, Brena, Eilenburg, Rochlitz, u. vid. …

Paul.Heinr. Schwartzens, Prediger zu Leipzig, in der Kirchen S. Thomas, … der schreibet vom Oster=Lande lateinisch, daß es im Deutschen diesen Verstand hat: Das Stücke Land, von der Stadt Oschatz an, biß auf Weissenfelß, worinnen Leipzig gelegen, wird Ositia, auf deutsch Ostland genennet, von den Volckern Osi geheissen; …

Wiewohl heut zu Tage das Meißner=Land mit dem Ostlande vermenget wird, wegen des einigen Fürstens, in dessen Gebiete sie beyderseits gehören. Sie sind aber dennoch wohl zu unterschieden, damit man recht lerne Verstehen, wie es vordessen zwo sonderbare Landschafften gewesen sind, die man ietzt wegen der Nachbarschafft für ein Land hält. …

Und M. Jerem. Simon (tt) schreibet ebenfalls klar: Das Osterland oder Ostland sey zwischen der Mulda und Saala. Kann er nun sein Eilenburg, so hart an der Mulda disseits stehet, in das Ostland setzen, so ist Weissenfelß an Saala gleichfalls eine Ostländische Schloß und Stadt. …

Und so sind die Weissenfelser Osterländer. …