Die Geschichte der Wallfahrten in den Prignitz-Ort Wilsnack begann 1383 nach der Brandschatzung des Ortes durch einen Landadligen. In den Trümmern der fast völlig verbrannten Dorfkirche fand der Pfarrer drei völlig unversehrte Hostien, jeweils mit einem „Blutstropfen“ in der Mitte. Unter Berücksichtigung der Verehrung als Leib Christi und der Rolle, welche die Hostien im damaligen Abendmahlverständnis der Gläubigen spielten, kann man sich vorstellen, was dieses „Blutwunder“ im religiösen Leben bedeutete. Der für Wilsnack zuständige Bischof von Havelberg hielt eine Messe und war selbst von der Wundertätigkeit der Hostien überzeugt, da sich während der Messe vor seinen Augen einer der Blutstropfen vergrößert haben soll.

 

Im Weiteren wurde von mehreren Wundern und seltsamen Begebenheiten berichtet, die sich um das Wunderblut ereignet haben sollen. Nach Anrufungen des Wunderblutes, so wurde erzählt, fanden Kranke Heilung und sogar Tote ins Leben zurück. Es entwickelte sich eine rege Wallfahrt nach Wilsnack und täglich wünschten hunderte, an manchen Tagen tausende, Pilger das Wunderblut zu sehen. Trotz namhafter Gegner (z.B. Jan Hus) wurde Wilsnack neben Aachen zu einem der wichtigsten Pilgerorte Deutschlands und Mitteleuropas.  Obwohl die Päpste das Blutwunder selbst nicht offiziell anerkannten, gewährten sie und etliche Bischöfe Ablass für jeden Pilger. Die kamen aus Deutschland, Ungarn, Böhmen und sogar aus Skandinavien…

 

Um für diesen Ansturm gerüstet zu sein und dem Tabernakel mit den drei Hostien ein würdiges Obdach zu geben, wurde die Wallfahrtskirche St. Nikolai gebaut. Die enormen Geldsummen stammten aus dem Ablasshandel und dem Einsatz einer Sünderwaage, auf welcher der Sünder sitzend, seine „Sünden“ mit weltlichen Gütern „aufwiegen“ lassen konnte.

 

Die höchste Blüte als Wallfahrtsort erreichte Wilsnack im letzten Drittel des 15.Jahrhunderts,. als Kurfürst Albrecht mit Fürsten, Herzögen und Königen in Wilsnack Besprechungen abhielt. Die Pilgerreisen endeten mit der Einführung der Reformation und dem Verbrennen der (kaum noch vorhandenen) Hostien durch den evangelischen Pfarrer im Jahr 1552.

 

Wir haben uns auf den alten Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack begeben, um Orte und Kirchen auf dem Weg der spätmittelalterlichen Wallfahrer zu besuchen.

 

 
 
 

 

 

 

Zur Geschichte des Wunderbluts empfehlen wir die von der evangelischen Kirchgemeinde Bad Wilsnack herausgegeben Broschüren:

 

„De hystorie unde erfindinghe des hillighen Sacraments tho der wilsnagk“

 

„Zur Geschichte der Wilsnacker Wallfahrt unter besonderer Berücksichtigung der Pilgerzeichen“

 

und im Internet:

 

www.wunderblutkirche.de

www.wege-nach-wilsnack.de

 

Fotos von der Ausstellung „Wunder – Wallfahrt – Widersacher“ in der Stadtkirche St. Nikolai: